Die Frage "was verdient man eigentlich als Werkstudent" bekommt online meist eine Antwort mit einer runden Durchschnittszahl, die aus irgendeiner Umfrage stammt und für deine konkrete Stelle wenig aussagt. Rechnen wir es stattdessen aus dem, was tatsächlich feststeht.
Die Untergrenze, konkret gerechnet
Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland bei 13,90 Euro pro Stunde. Als Werkstudent:in darfst du während der Vorlesungszeit maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten. Multiplizierst du beides, kommst du auf die reine Untergrenze:
20 Stunden × 13,90 Euro = 278 Euro pro Woche, brutto, bei genau 20 Stunden und genau Mindestlohn.
Auf einen Monat mit knapp vier Wochen hochgerechnet sind das grob 1.100 bis 1.200 Euro brutto, je nachdem, wie die Wochen im Monat liegen. Das ist die absolute Untergrenze, kein realistischer Zielwert, denn die meisten Werkstudentenstellen zahlen mehr als den Mindestlohn.
Am 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn weiter auf 14,60 Euro pro Stunde. Für dieselbe Rechnung mit 20 Wochenstunden sind das dann 292 Euro pro Woche als Untergrenze, ein Anstieg, der schon jetzt feststeht und den du bei einer längerfristigen Werkstudentenstelle im Kopf haben solltest. Verhandelst du gerade einen Vertrag, der über den Jahreswechsel läuft, lohnt es sich, diesen Anstieg direkt anzusprechen, statt ihn stillschweigend vorauszusetzen.
Warum brutto nicht gleich netto minus Standardabzüge ist
Ein Punkt, der beim reinen Vorrechnen oft untergeht: Der Werkstudentenstatus bringt eine eigene, günstige sozialversicherungsrechtliche Behandlung mit sich, solange du innerhalb der Wochenstundengrenze bleibst. Das heißt, von deinem Bruttolohn bleibt in der Regel mehr netto übrig, als ein normaler Angestellter bei gleichem Bruttogehalt behält. Genaue Abzüge hängen von deiner individuellen Situation ab, etwa deiner Steuerklasse und ob du familienversichert bist, deshalb nennen wir hier bewusst keine pauschale Prozentzahl. Wichtig ist nur: Die 278 Euro brutto pro Woche aus der Rechnung oben sind nicht das, was am Ende auf deinem Konto landet, sondern tendenziell weniger vom Abzug betroffen, als du vielleicht erwartest.
Was darüber liegt, und was wir dazu ehrlich sagen können
Hier wird es bei den meisten Ratgebern unseriös, weil sie an dieser Stelle eine Durchschnittszahl für "Werkstudent im Marketing" oder "Werkstudent in der IT" nennen, die aus keiner belastbaren Quelle stammt. Wir tun das nicht.
Was sich ehrlich sagen lässt: Stellen im Tech-Bereich und im Ingenieurwesen zahlen üblicherweise über dem Mindestlohn, weil die gefragten Fähigkeiten (Programmieren, Datenanalyse, technisches Verständnis) knapper sind als allgemeine Bürotätigkeiten und Unternehmen dafür entsprechend bieten müssen, um überhaupt Bewerbungen zu bekommen. Eine konkrete Zahl können wir dir dafür aber nicht seriös nennen, ohne eine Statistik zu erfinden, die es so nicht gibt. Wenn du wissen willst, was eine bestimmte Stelle wirklich zahlt, ist die zuverlässigste Quelle die Stellenanzeige selbst oder das Gespräch im Vorstellungsgespräch, nicht ein Branchendurchschnitt aus einem Artikel.
Was deinen Stundensatz wirklich anhebt
Die Grenze bei den Wochenstunden ist gesetzlich festgelegt und lässt sich nicht verhandeln. Das, worauf du tatsächlich Einfluss hast, ist der Stundensatz selbst, und der hängt weniger davon ab, in welchem Semester du bist, als davon, was du nachweisen kannst.
Zwei Studierende im gleichen Semester, mit dem gleichen Notendurchschnitt, bekommen selten das gleiche Angebot. Der Unterschied liegt fast immer darin, was die eine Person zeigen kann und die andere nicht: ein konkretes Projekt, ein Repository, ein Ergebnis, das ein Recruiter selbst nachprüfen kann, statt nur eine Liste besuchter Vorlesungen. Semesterzahl ist ein grober Näherungswert dafür, was du kannst. Ein nachprüfbares Projekt ist der direkte Beweis, und Unternehmen zahlen für den Beweis, nicht für die Semesterzahl.
Das gilt besonders für technische Werkstudentenstellen. Ein Unternehmen, das jemanden für Datenanalyse oder Softwareentwicklung sucht, will nicht wissen, welche Vorlesungen du besucht hast, sondern ob du mit echten Daten und echtem Code umgehen kannst. Ein Notenspiegel beantwortet diese Frage nicht. Ein Projekt, das du tatsächlich fertiggestellt hast und bei dem jemand von außen nachvollziehen kann, was du getan hast, beantwortet sie sofort, und genau dieser Unterschied ist es, der bei der Gehaltsverhandlung den Ausschlag gibt.
Wo du das in eine tatsächliche Stelle umsetzt
Die 20-Stunden-Regel hat noch ein paar weitere Feinheiten, etwa was in der vorlesungsfreien Zeit gilt und was für internationale Studierende zusätzlich zu beachten ist. Die genauen Details stehen im Beitrag Wie viele Stunden dürfen Studierende in Deutschland arbeiten. Für internationale Studierende, die gerade erst nach einer Werkstudentenstelle suchen, lohnt sich außerdem unser Leitfaden zu Werkstudentenjobs für internationale Studierende, der den ganzen Prozess von der Suche bis zur Bewerbung durchgeht.
Und wenn du bereit bist, konkret zu suchen: ProoV Jobs zeigt dir echte Werkstudentenstellen aus dem deutschen Markt, direkt daneben, ob du die geforderten Fähigkeiten schon belegen kannst oder noch ein Projekt dafür brauchst.


